Wie äußern sich Bipolare Störungen?

Bipolare Störungen äußern sich sehr vielfältig. Dies ist einer der Gründe, warum im Durchschnitt fünf bis zehn Jahre vergehen, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.

Es werden zwei Phasen bzw. Episoden unterschieden:

Unangemessene gehobene oder gereizte Stimmung

Eine manische Episode zeigt sich in erster Linie in einer gehobenen, meist ungewöhnlich überdreht-fröhlichen Stimmungslage, die häufig nicht zur jeweiligen Situation passt. Aber auch erhöhte Reizbarkeit und Streitsucht kann vorkommen.

Übersteigerte Aktivität

Häufig ist ein beschleunigter Antrieb mit einem Drang zu vermehrter Aktivität. Der Betroffene kann zumindest zu Beginn einer Episode auffällig mehr leisten als gewohnt, er ermüdet dabei kaum und benötigt weniger Schlaf.

Ideen- und Gedankenflut

Eine wahre Ideen- und Gedankenflut strömt auf Betroffene ein, die nicht bewältigt werden kann. Menschen haben in dieser Phase Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, und lassen sich leicht ablenken.

Rededrang

Durch ihren starken Rededrang lassen sich die Betroffenen selten unterbrechen. Sie wechseln ständig das Gesprächsthema, eine normale Unterhaltung ist mit ihnen kaum möglich.

Selbstüberschätzung

Selbstüberschätzung und maßloser Optimismus können sich bis zu Größenwahn steigern, Betroffene verlieren den Bezug zur Wirklichkeit. Dabei brechen häufig soziale Hemmschwellen zusammen. Vor lauter unbändiger Aktivität kommen Menschen mit Manie mit ihrem Alltag immer schlechter zurecht. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit neigen Erkrankte zu riskanten Projekten oder leichtsinnigen Geldausgaben.

Niedergeschlagenheit

Für eine depressive Episode ist eine anhaltend niedergeschlagene Stimmung typisch. Manchmal empfinden Betroffene ein fremdes Gefühl der Versteinerung („Gefühl der Gefühllosigkeit“). Bei manchen Patienten steht der Verlust von Interesse und Freude im Mittelpunkt.

Antriebslosigkeit

Aktivität und Energie sind deutlich vermindert. Die Betroffenen ermüden schnell, sie haben wenig oder keine Lust, etwas zu unternehmen, sie kommen morgens kaum aus dem Bett.

Schlafstörungen

Schlafstörungen und Tagesschwankungen der Stimmungslage kommen vor, ebenso wie eine unbestimmte innere Unruhe und leichte Erregbarkeit.

Körperliche Beschwerden

Bei anderen wiederum äußert sich die Depression vor allem durch körperliche Beschwerden. Diese können von übermäßigem Schwitzen, Rückenschmerzen, Magendruck, Appetitlosigkeit bis hin zu Beschwerden in der Herzgegend reichen.

Grübelneigung

Neben solchen typischen Zeichen einer Depression können Betroffene Schwierigkeiten haben, einen klaren Gedanken zu fassen; der Gedankengang ist stockend oder verlangsamt, sie neigen zum Grübeln. Oft ist die Konzentration vermindert, die Betroffenen werden vergesslich.

Depressive Wahnvorstellungen (bei schweren Depressionen)

Bei einer schweren Form einer depressiven Episode kann die Wahrnehmung der Wirklichkeit gestört sein. Dies kann sich zum Beispiel als unverrückbare Überzeugung äußern, arm zu sein oder an einer unheilbaren Krankheit zu leiden.

Suizidgedanken

Depressive äußern oft Lebensüberdruss. Als Ausdruck der durch die Krankheit veränderten Gedanken treten nicht selten Suizidgedanken und -phantasien auf. Solche Suizidgedanken spiegeln nicht den freien Willen des erkrankten Menschens wider, sondern sind Zeichen der Schwere der Erkrankung. Suizidgedanken sollten Anlass sein, umgehend den behandelnden Arzt aufzusuchen.